falls (LAST/Trilogie 1)

Beschreibung

falls ist der erste Teil der LAST/Trilogie - einem mehrteiligen multimedialen Musiktheaterprojekt der LOSE COMBO - nach Texten und Motiven der "Metamorphosen" Ovids. Hierbei stehen die bekannten mythischen Erzählungen aber nicht im Vordergrund, sondern es geht vor allem um die Erkundung des mythischen Erzählens selbst: eine Suche nach einer anderen Zeit zwischen technischen Bildern und elektronischen Klängen.

Anlaß für falls ist der Mythos von Dädalus und Ikarus: Performer und Musiker befinden sich innerhalb eines Labyrinths aus hauchdünnem, weiß-transparentem Glasvlies, das von zwei Videoprojektionen und einer Vielzahl blau flackernder Neonlampen beleuchtet wird. Schemenhaft sichtbar, spielt das Klavierquintett eine Komposition aus gedehnt-pulsierenden Akkorden, die auf Strukturen der letzten Komposition von Johann Sebastian Bach basiert. Diese Klänge mischen sich mit meist ruhigen artifiziellen und radiophonen Geräuschen. Eingebunden in diese komplexe Klanglandschaft, sind unvermittelt auch eine Fuge und ein Kanon aus Bachs "Die Kunst der Fuge" zu hören.

Die beiden Performer bewegen sich ebenfalls innerhalb dieses gläsernen Geflechts. Plötzlich - etwa wenn sie Ikarus' Sturz als Alptraum des digitalen Zeitalters erzählen oder einen kurzen Dia-Vortrag über die gerade stattfindende Performance als Rekonstruktion des Dädaläischen Labyrinths halten - werden sie sichtbar, um anschließend wieder im künstlichen Licht zu verschwinden.

Es gibt Momente, in denen Hauptstadtinsassen die Zeit verlassen, das Metropolenfieber außerhalb des eigenen Körpers messen können, im Fall, im Labyrinth - "falls" in Bildern, Tönen... In keinem Film, Bild, Theaterstück oder Buch erlebe ich Berlin, Stadt, Leben derart präsent wie bei den Aufführungen der Lose Combo. Jörg Laue inszeniert Bewußtsein von Draußen in einen Musikthatertraum, der Wahrnehmung erlaubt, den Pulsschlag manipuliert, von der er lebt.
(Tim Staffel / junge welt)